Fachkräftemangel und der anstehende Generationenwechsel – Status Quo

21. Dez. 2022

Diese Entwicklung ist in allen Ebenen der Informatik spürbar und das nicht nur in der Schweiz. Auch Unternehmen in unseren Nachbarländern haben Probleme, qualifiziertes Fachpersonal für ihre offenen (IT-)Stellen zu finden. In Bezug auf den globalen Standortwettbewerb ist für ein exportorientiertes Wissensland wie die Schweiz die ausreichende Verfügbarkeit von technischem Human Capital elementar[1]. Bereits heute kann ein Grossteil des Fachkräftebedarfs nur durch entsprechende Zuwanderung gedeckt werden. Angesichts der demografischen Entwicklung (niedrige Geburtenrate und stetig zunehmende Lebenserwartung der Menschen) kann vermutet werden, dass ein Bedarf an ausländischen Fachkräften auch zukünftig eine zentrale Rolle einnehmen wird. Eine weitere Herausforderung, welche auf Unternehmen zukommen wird, ist der anstehende Generationenwechsel. 2018 machte die Generation X rund ein Drittel der Schweizer Erwerbsbevölkerung aus. Zurzeit fallen rund 22% der Beschäftigten in der Generation X[2] in die IT-Branche. Was sich auf den ersten Blick nicht nach viel anhört, kann jedoch die Situation auf dem sonst schon sehr ausgetrockneten IT-Markt weiter zuspitzen.

Der Bericht des SBF aus dem Jahr 2010 zeigt, dass KMU mit weniger als 250 Beschäftigten im Vergleich zu grösseren Unternehmen (>250 Mitarbeitende) überdurchschnittlich stark vom MINT-Fachkräftemangel betroffen waren. Dabei ist davon auszugehen, dass grössere Unternehmen im Vergleich zu Klein- und Mittelunternehmen (KMU) Imagevorteile ausweisen können. Und diese Prognose wird sich auch nicht so schnell ändern. Ein aktueller Bericht aus dem Jahr 2022 der Kalaidos Fachhochschule zeigt, dass Schweizer KMUs[3] insbesondere in der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal eine deutliche Verschlechterung bei der Einschätzung zur Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Faktoren sehen. 

Insbesondere KMU’s müssen sich also auch künftig als attraktive Arbeitgeber positionieren, um mit dem «Big Playern» auf dem Markt mithalten zu können. Eine spannende und zielgerichtete Employer-Branding-Strategie könnte hierfür ein geeigneter Schlüssel sein, um künftig die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal sicherstellen zu können. Auch die Veränderung der Generationen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt birgt Herausforderungen aber auch Chancen, die gezielt genutzt werden können und müssen.



[1] Quelle: Gehrig, M., Gardiol, L., & Schaerrer, M. (2010). Der MINT-Fachkräftemangel in der Schweiz - Ausmass, Prognose, konjunkturelle Abhängigkeit, Ursachen und Auswirkungen des Fachkräftemangels in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Bern: Büro Bass.

[2] Generation X umfasst die Jahrgänge 1965 bis 1980. In den kommenden Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er zunehmend pensioniert.  

[3] Für die Berechnung des NZZ-KMU-Barometers wurden die Daten von 415 KMUs verwendet.