(Fehlende) Frauen in der IT

25. Feb. 2022

 

(Fehlende) Frauen in der IT

 

Als ich vor 21 Jahren bei NEXUS angefangen habe, war der allgemeine Konsens, dass es (noch) viel zu wenig Frauen in der Informatik gibt. In den darauffolgenden Jahren wurden verschiedene Anstrengungen unternommen, v. a. auf Berufsschul- und Hochschulebene, um diese Situation zu ändern. Leider waren die Bemühungen von bescheidenem Erfolg gekrönt: Heute ist der Anteil der Frauen in der Informatik immer noch unter 10% und steigt kaum weiter an. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, wir werden es an dieser Stelle aber trotzdem tun:

1.    Die Schweiz ist nach wie vor ein konservatives Land, technisch-naturwissenschaftliche Berufsprofile entsprechen deshalb nur beschränkt dem Bild von Weiblichkeit

2.    In Schweizer Primarschulen dominieren weibliche Lehrer - man darf unterstellen, dass viele davon durch ihre Sozialisierung selber keine grosse Affinität zu technischen Fächern entwickelt haben und diese deshalb auch schwierig weitervermitteln können an die Mädchen in der Klasse

3.    Mädchen werden in naturwissenschaftlichen Fächern in deutschsprachigen Ländern bei gleicher Leistung schlechter benotet als Buben (siehe ETH-Studie von 2016: «Mädchen und Frauen können sich nicht darauf verlassen, dass sie für ihre Anstrengung belohnt werden.»), das hat natürlich einen Einfluss auf die Studienwahl

4.    Die Informatik resp. die Informatiker haben es bis jetzt nicht geschafft, ihren Berufsstand in seiner grossen Breite und seinen vielfältigen Perspektiven positiv zu vermarkten: Der einstige Traumberuf hat auch für Buben an Attraktivität verloren

5.    Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird von der Informatikbranche viel zu wenig betont, dabei war und ist sie Vorreiterin, was flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitmöglichkeiten und Home Office angeht

Ganz allgemein kann man sagen, dass schon in der Primarschule die Weichen gestellt werden, ob Schülerinnen sich später ein MINT-Fach als Studienrichtung zutrauen. Es braucht engagierte Lehrerinnen und Lehrer auf allen Schulstufen und deutlich stärkere Marketingbemühungen der Informatikbranche, um sich attraktiv für beide Geschlechter zu präsentieren. Nicht zu vergessen sind erfolgreiche Frauen in der Informatik, die zeigen, welche spannenden und vielfältigen beruflichen Möglichkeiten ihre Branche bietet. Die jungen Frauen müssen es nur wagen, denn ihre Chancen sind hervorragend!